Urte Beyer


Die Kamera ist für mich das Werkzeug, um Wirklichkeit mit Utopie, Banalität mit Komplexität zu verschmelzen. Die Motive – in letzter Zeit sind es vorrangig Architekturen – drucke ich im Digitalverfahren aus. Ich vervielfältige die Motive, verändere ihre Proportionen und hole Details und Elemente aus den realen, stadträumlichen Zusammenhängen heraus. Anschließend schneide, falte und arrangiere ich die oft großformatigen Ausdrucke zu drei-dimensionalen, plastischen Räumen. Es entstehen skulpturale Neuinszenierungen, Foto-Skulpturen. Teilweise fotografiere ich diese wiederum und spiele dabei mit dem Fokus, so dass irritierende Momente auftauchen – nichts was vertraut ist, scheint Bestand zu haben. Es entwickeln sich Vorstellungen über eine Zeit, die es nie gegeben hat, die es nie geben wird.

Wahrnehmung und Erinnerung unterliegen der Veränderung. Beide besitzen nur bedingte Objektivität. Auf der Suche nach Vertrautem, dabei doch ahnend, dass nichts bleibt wie es ist, formuliere ich mit meinen architekturbezogenen Arbeiten Vorstellungen von Parallelwelten, verfremdeten Orten und einer Geschichtlichkeit, die atmosphärisch erlebbar werden soll. Es entwickelt sich ein Konglomerat aus Gesehenem, selbst Erlebtem und plastisch gewordenen Stimmungsmomenten. Aufgrund meiner Arbeitsmethode – blow und cut up, Montage etc. – entstehen Potentiale und Variationsmöglichkeiten für eine Neubesichtigung von Wirklichkeitsphänomen und auch ein spielerischer Umgang mit der Realität von Raum, Stadt und Architektur.

http://www.urte-beyer.de/