Kevin Gray


In seiner Familie erzählt man sich, dass Kevin Gray (*1982) schon gezeichnet hat, bevor er laufen konnte…auch wenn das vielleicht nicht ganz stimmt – sein Drang, leere Flächen zu füllen, war früh zu erkennen. Dabei probierte Kevin Gray im Laufe der Zeit verschiedene Genres und Techniken aus. Als Graffiti-Sprayer arbeitete er dann das erste Mal „professionell“, indem er Auftragsarbeiten durchführte.

Durch sein Studium an der Kunsthochschule Weißensee verfestigten sich schon vorhandene Anlagen, der Hang zur Symbolik zum Beispiel oder auch die vorsichtige Abstraktion. Trotzdem erlaubte sich Kevin Gray während seiner Studienzeit auch weiterhin Experimente, Ausflüge in andere Bildwelten bis hin zum Fotorealismus, den man in seinen „kevin grayBerlin bei Nacht“- Bildern entdeckt. Auch sein Studienaufenthalt in Indien hat Spuren hinterlassen: es sind oft die Lebenswelten der einfachen Menschen, die sich dort finden und die natürlichen Farben der Tropen.

Nach Abschluss des Studiums hat Kevin Gray eine klare, wiedererkennbare Bildsprache gefunden: seine sphärisch wirkenden Bilder sind allesamt in Pastellfarben gemalt, erhalten ihre Strahlkraft durch eine meist nicht zu identifizierende Lichtquelle und strahlen Ruhe und Kraft aber auch zugleich eine diffuse Spannung aus. Da schaut man in eine Landschaft aus zahllosen Brücken, die ins Nichts und gleichzeitig überall hin zu führen scheinen, da schwebt eine Insel im Nebel und spiegelt sich doch im Wasser. Blühende Mohnfelder tauchen immer wieder als Motiv auf, scheinbar idyllisch – im Hintergrund aber nimmt man auf den zweiten Blick rätselhafte Gebilde wahr, die sowohl Felsformationen, aber auch zum Beispiel Fabrikgebäude sein könnten.

Symbole wie Brücken und Treppen stehen für Verbindungen und Möglichkeiten sich zu bewegen, die Inseln etwa für einen Platz der Ruhe und Abgeschiedenheit. Die umgebende Landschaft hat einen rauen Charakter, was die Bauwerke und Orte wiederum zerbrechlich erscheinen lässt.

In der Wahl der Materialien verbindet Gray zum Beispiel die klassische Ölmalerei mit Sprühfarben aus dem Graffiti. Auf der technischen Seite ist das zwar ein Gegensatz, malerisch gesehen jedoch spannend. Durch die Verbindung entstehen aufgebrochene und fragile Strukturen, die jede Möglichkeit der Weiterentwicklung offen lässt: Vollendung oder Zerstörung.